Bild vom Kind
"Kinder sind von Geburt an mit grundlegenden Kompetenzen sowie einem reichhaltigen Lern- und Entwicklungspotenzial ausgestattet."
BEP-Handreichung U3, S. 11
Kinder haben von Geburt an Fähigkeiten - sie sind kompetent. Was bedeutet das? Kaum auf der Welt, erkunden Babys ihre Umwelt, reagieren auf Sprache, üben ihren Körper – sie lernen geradezu selbstständig jeden Tag. Kinder haben viele Interessen, sie sind neugierig, haben Freude am Lernen und sind motiviert, immer mehr zu wissen und zu können. Daher sieht der BEP das Kind als aktiven Gestalter seiner Bildung, seines Lernens und seiner Entwicklung. Um das zu ermöglichen, begegnen wir dem Kind immer auf Augenhöhe, erkennen es als eigenständige Person an und beteiligen es aktiv. Das einzelne Kind steht dabei im Mittelpunkt: Jedes Kind hat unterschiedliche Stärken und somit sein eigenes Lern- und Entwicklungstempo. Es wird wertgeschätzt, wie es ist. Jedes Kind kann, je nach Alter und Entwicklung, aktiv und selbstbestimmt am Alltag in der Institution teilhaben und Verantwortung übernehmen.
Beispiel
Autonomie und Selbstwirksamkeit zu erleben macht stolz und stärkt! Beteiligen Sie das Kind und zeigen Sie im pädagogischen Alltag, wie viel es schon kann! Wenn Sie dem Kind immer mehr zutrauen, kann es über sich hinauswachsen. Aussagen wie „Du bist ein Kind, du kannst das nicht!“ sind verletzend. Ein respektvoller Umgang stärkt das Kind: „Ich verstehe, dass du das alleine machen willst, aber man braucht dafür viel Erfahrung. Versuchen wir es gemeinsam?“
Der BEP versteht Bildung als gemeinsames Entdecken und Erkunden. Das heißt, die Interessen und Aktivitäten des Kindes wahrzunehmen und darauf einzugehen.
Weiterlesen
- BEP, S. 20 - 25
- U3-Handreichung, S. 11
- QSV-Handreichung, ab S. 147
Videos zum Thema
Was ist das Bild vom Kind im Sinne des BEP? Einen kurzen kompakten Einblick erhalten Sie in diesem Video.
BEP-Lupen
Folgende BEP-Lupen könnten für die Auseinandersetzung mit dem Bild vom Kind hilfreich sein. Das Bild vom Kind bildet aber bei allen Themen eine der Grundlagen und wird bei allen BEP-Lupen immer mitgedacht.
Da die Themen und auch damit die Grundsätze und Prinzipien des BEP alle ineinandergreifen, tauchen die BEP-Lupen mehrmals unter verschiedenen Themen auf. Es kommen immer wieder neue BEP-Lupen dazu! Schauen Sie also gerne öfter hier vorbei.
- Alltagskompetenzen (QSV-BEP-Lupe)
- Beziehungsvolle Pflege im Fokus (QSV-BEP-Lupe)
- Das musikalische Spiel (BEP-Fortbildungslupe)
- Entspannung (BEP-Fortbildungslupe)
- Familienkulturen: Kinder in ihrer Identität stärken (IFP-BEP-Lupe)
- Interaktionsqualität - Emotionale Unterstützung – positives Klima (BEP-Fortbildungslupe)
- interkulturelle Kompetenzen der Kinder (IFP-BEP-Lupe)
- Kinder mit Fluchterfahrung - Alltagskompetenzen (IFP-BEP-Lupe)
- Kreativität - Möglichkeit der ko-konstruktiven Problemlösung (BEP-Fortbildungslupe)
- Partizipation und Beschwerde (BEP-Fortbildungslupe)
- Positives Selbstkonzept (BEP-Fortbildungslupe)
- Selbstbestimmter Umgang mit Medien (IFP-BEP-Lupe)
- Sensitive Responsivität - feinfühliges Reagieren (BEP-Fortbildungslupe)
- Soziale und emotionale Kompetenzen (QSV-BEP-Lupe)
- Spielkompetenz entfalten - von Anfang an (BEP-Fortbildungslupe)
- Verbale Grenzüberschreitungen vermeiden (BEP-Fortbildungslupe)
- Vielfalt leben! Entwicklungsangemessen unterstützen (BEP-Fortbildungslupe)
- Vielfalt leben! Ko-Konstruktion - gemeinsames Spielen und Lernen aller Kinder (BEP-Fortbildungslupe)
- Alltagskompetenzen (QSV-BEP-Lupe)
- Beziehungsvolle Pflege im Fokus (QSV-BEP-Lupe)
- Interaktionsqualität - Lernunterstützung (BEP-Fortbildungslupe)
- Kinder mit Fluchterfahrung - Alltagskompetenzen (IFP-BEP-Lupe)
- Kinder mit Fluchterfahrung - Bindung (IFP-BEP-Lupe)
- Positives Selbstkonzept (BEP-Fortbildungslupe)
- Vielfalt leben! Entwicklungsangemessen unterstützen (BEP-Fortbildungslupe)
- Alltagskompetenzen (QSV-BEP-Lupe)
- Beziehungsvolle Pflege im Fokus (QSV-BEP-Lupe)
- Kinder mit Fluchterfahrung - Alltagskompetenzen (IFP-BEP-Lupe)
- Kinderrechte und Partizipation (BEP-Fortbildungslupe)
- Partizipation in den ersten drei Lebensjahren (BEP-Fortbildungslupe)
- Partizipation und Beschwerde (BEP-Fortbildungslupe)
- Selbstbestimmter Umgang mit Medien (IFP-BEP-Lupe)
- Vielfalt leben! Ko-Konstruktion - gemeinsames Spielen und Lernen aller Kinder (BEP-Fortbildungslupe)
Sie fragen sich, was BEP-Lupen sind? Und welche es gibt?
Informationen zu den BEP-Lupen und viele weitere BEP-Lupen finden Sie hier.
BEP-ABC
Bei den aufgeführten Begriffen wird auch auf den BEP und seine Handreichungen verwiesen. Im BEP greifen jedoch alle Grundsätze und Prinzipien ineinander, daher sind diese Verweise als Beispiele zu verstehen. Im BEP-ABC können Sie alle ausgewählten wichtige Begriffe des BEP und der BEP-Handreichungen nachlesen.
Alltagsintegrierte Bildung bedeutet, dass die Bildungs- und Erziehungsprozesse auch im Alltag, d.h. in den alltäglichen Abläufen in der Kindertagespflege, in Krippen/Kitas und Grundschulen stattfinden. Projekte zu verschiedenen Themen können Spaß machen und natürlich eine Bereicherung für die Kinder sein. Aber worauf es am meisten ankommt, ist der Alltag. Der pädagogische Alltag bietet optimale Lernmöglichkeiten in allen Bereichen, denn Lernen findet den ganzen Tag statt, beim Spielen, in Dialogen, durch Fragen und durch alltägliche Erfahrungen. In den alltäglichen Abläufen gibt es daher viele Möglichkeiten für Sprachanlässe und für die gezielte Unterstützung der Kinder in ihrer Entwicklung. Werden sie in den Alltag integriert, können sie auch flexibel an den Interessen der Kinder ansetzen. Die alltagsintegrierte Bildung geht Hand in Hand mit der formalen Bildung.
Autonomie bedeutet Selbstbestimmung. Indem wir die Kinder beteiligen, ihre Meinungen und Ideen ernst nehmen und sie darin unterstützen, Verantwortung für sich selbst und für andere zu übernehmen, können sich die Kinder als eigenständige Personen wahrnehmen. Dazu brauchen die Kinder viel Freiraum, zu entdecken und Ideen auszuprobieren. Sie erleben sich als handlungsfähig und selbstwirksam. Dadurch können sie sich zu selbstbestimmten Menschen entwickeln, die ein gutes Gefühl zu sich selbst haben und ihr Leben sowie ihre Bildung aktiv gestalten.
Jedes Kind hat sein eigenes Lern- und Entwicklungstempo sowie seine persönlichen Stärken. Auch das Alter spielt bei der Entwicklung eine Rolle. Entwicklungsangemessene Aufgaben und Hilfestellungen berücksichtigen das Alter und die individuelle Entwicklung des Kindes. Durch unsere Beobachtung und Dokumentation können wir erfahren, wo das individuelle Kind steht und es entwicklungsangemessen unterstützen, sodass es sich weiterentwickeln kann. Dabei setzen wir an den Stärken eines Kindes an. (Siehe auch Scaffolding im BEP-ABC und das Kapitel Bildungs- und Erziehungsprozesse S. 23, BEP, u.a. S. 32).
Das individuelle Kind mit seinen Stärken und seinem eigenen Lern- und Entwicklungstempo steht im Mittelpunkt und nicht die Institution (Krippe, Kita, Schule etc.). Das bedeutet, dass sich die Institutionen an die Kinder anpassen müssen und nicht umgekehrt. Die Institution muss die Bildungs- und Erziehungsprozesse so gestalten, dass jedes einzelne Kind gezielt unterstützt werden kann und jedes einzelne Kind umfassende Chancen erhält, sich selbst und seine Kompetenzen entfalten zu können. (u.a. BEP, S. 12/34)
Dadurch, dass wir als Erwachsene mehr Erfahrungen haben, mehr wissen, größer und stärker sind, haben wir automatisch mehr Macht als Kinder. Diese Macht können wir positiv nutzen, indem wir feinfühlig mit den Kindern umgehen: Uns in Kinder hineinversetzen, ihre Bedürfnisse erkennen und verstehen, ihre Meinung und Sichtweisen ernst nehmen, sie ermutigen sowie bestärken und Bildungs- und Erziehungsprozesse so gestalten, dass sich die Kinder entfalten können. Hinzu kommt, dass wir eine Verantwortung für Kinder tragen und natürlich auch Entscheidungen für die Kinder treffen müssen, um sie zu schützen. Tun wir das auf Augenhöhe, lassen die Kinder mitbestimmen und beteiligen sie, können wir auch hier die Beziehung zu den Kindern wertschätzend gestalten.
Kinder haben ein Recht auf Mitbestimmung in allen Belangen, die sie betreffen. (Siehe auch Partizipation im BEP-ABC)
Partizipation steht für Beteiligtsein, Teilhabe und Mitwirkung bzw. Mitbestimmung. Für den pädagogischen Alltag bedeutet das, dass die Kinder einbezogen werden und sie mitbestimmen dürfen. Dazu gehört, dass ihre Bedürfnisse und Meinungen ernst genommen werden und der pädagogische Alltag auch danach gestaltet wird. In jedem Alter kann ein Kind entwicklungsangemessen mitbestimmen. Partizipation ist die Grundlage für eine demokratische Gemeinschaft.
Wir erleben uns als selbstwirksam, wenn wir Vertrauen in unsere eigenen Fähigkeiten haben und wir Möglichkeiten wissen, wie wir handeln können. Dadurch ist uns bewusst, dass wir Einfluss nehmen können und dass wir handlungsfähig sind. Wir sind einer Herausforderung oder einer Problemstellung nicht ausgeliefert, sondern wir können sie meistern.