Wertschätzende Haltung

"Erwachsene bringen dem Kind bedingungslose Wertschätzung entgegen und nehmen es in seinen Äußerungen und Gestaltungsmöglichkeiten ernst."

BEP, S. 32

Eine bedingungslose Wertschätzung zeichnet sich durch eine feinfühlige und liebevolle Zuwendung aus. Sie beinhaltet zudem, dass das Beziehungsangebot immer zuerst von uns als Erwachsene ausgehen muss. Kinder möchten von Natur aus kooperieren und eine positive Beziehung aufbauen. Gelingt es dem Kind (noch) nicht, so müssen wir als Erwachsene feinfühlig hinschauen und die Botschaften des Kindes wahrnehmen, auch wenn das Verhalten des Kindes für uns eine Herausforderung ist. Daher lauten die Fragen in solchen Situationen: Welche (unerfüllten) Bedürfnisse liegen hinter dem gezeigten Verhalten? Wie kann ich das Kind unterstützen? Die Stärkung des Kindes steht immer im Mittelpunkt.

Beispiel

„M. tanzt mir immer auf der Nase rum. M. ist schon stark, ihn brauche ich nicht mehr stärken, sonst stört er noch mehr.“ Ein starkes Kind jedoch kann seine Bedürfnisse angemessen ausdrücken. Wann zeigt M. dieses Verhalten? Was kann der Auslöser sein? Ist M. in der Situation selbst überfordert? Was braucht er? Sie dürfen natürlich Grenzen benennen, wie: „Ich möchte nicht, dass du schreist.“ Aber bleiben Sie auch im Dialog: „Ich möchte dich gerne verstehen. Was beschäftigt dich gerade?“

Wenn das Kind die Beziehung mit Erwachsenen als respektvolle Partnerschaft erlebt und merkt, dass seine Perspektive sowie seine Bedürfnisse ernst genommen werden und es aktiv mitgestalten kann, wird es die vorgelebten Werte selbst übernehmen: Solidarität und Wertschätzung anderen gegenüber, Offenheit für Neues, demokratischer Diskussionsstil, Kooperation, Rücksicht und kreative Lösungsfindung.

Weiterlesen

Icon für Mini-BEP "weiterlesen"

Videos zum Thema

Icon für Mini-BEP Materialien

folgt

BEP-Lupen

Icon für Mini-BEP Lupen

Folgende BEP-Lupen könnten für die Auseinandersetzung mit Ko-Konstruktion hilfreich sein. Ko-Konstruktion gehört zu den Grundsätzen und Prinzipien des BEP und spielt bei allen Bildungs- und Erziehungsprozessen eine fundamentale Rolle. Daher bildet die Ko-Konstruktion auch in allen anderen BEP-Lupen, die hier nicht aufgeführt sind, eine der Grundlagen.

Da die Themen und auch damit die Grundsätze und Prinzipien des BEP alle ineinandergreifen, tauchen die BEP-Lupen mehrmals unter verschiedenen Themen auf.  Es kommen immer wieder neue BEP-Lupen dazu! Schauen Sie also gerne öfter hier vorbei.

Sie fragen sich, was BEP-Lupen sind? Und welche es gibt?
Informationen zu den BEP-Lupen und viele weitere BEP-Lupen finden Sie hier.

BEP-ABC

Icon für Mini-BEP ABC

Bei den aufgeführten Begriffen wird auch auf den BEP und seine Handreichungen verwiesen. Im BEP greifen jedoch alle Grundsätze und Prinzipien ineinander, daher sind diese Verweise als Beispiele zu verstehen.  Im BEP-ABC können Sie alle ausgewählten wichtige Begriffe des BEP und der BEP-Handreichungen nachlesen.

Der BEP steht für die Überzeugung, dass Lernen nur erfolgreich stattfinden kann, wenn das Kind sich wohlfühlt und es den Zuspruch seiner Bezugspersonen erhält. Auch Fach- und Lehrkräfte sind wichtige Bezugspersonen, die dem Kind eine verlässliche und vertrauensvolle Beziehung zu ihnen ermöglichen können. Über eine solche positive Beziehung können die Kinder eine Bindung zu den Bezugspersonen aufbauen, die es ihnen ermöglicht, sich frei zu entfalten und ihre Fähigkeiten sowie Kompetenzen zu nutzen und stetig weiterzuentwickeln. (BEP, S. 26/27; U3-Handr., ab S. 17)

Das Demokratieprinzip steht dafür, dass Demokratie in allen Bereichen des pädagogischen Alltags gelebt wird. Das bedeutet, dass wir uns alle, egal ob im Team oder Kollegium, mit Kindern oder mit Eltern wertschätzend und auf Augenhöhe respektvoll begegnen. Wir erkennen an, dass alle Menschen Stärken haben, die sie einbringen, und wir setzen uns dafür ein, dass alle gehört werden und alle beteiligt werden. Ziel ist, dass sich alle in der Gemeinschaft wohlfühlen. (BEP, S. 32; S. 106 ff.)

Feinfühlig mit Kindern umgehen, bedeutet, mit den Gefühlen, Bedürfnissen und Sichtweisen der Kinder sensibel, wertschätzend und verständnisvoll umzugehen. Dazu gehört, sich in die Kinder hineinzuversetzen und die Welt aus der Perspektive der Kinder zu betrachten. Dazu gehört auch, herausforderndes Verhalten von Kindern anzunehmen. Daher fragen wir uns bei allen Situationen: Wie erlebt das Kind gerade die Situation? Welche Bedürfnisse oder auch unerfüllten Bedürfnisse stecken dahinter? Was möchte das Kind ausdrücken? Was braucht das Kind? Wie kann ich das Kind unterstützen, begleiten und stärken? Wie kann ich jedes Gefühl, das das Kind zeigt, annehmen und sensibel darauf reagieren? (BEP, S. 32/33; U3-Handr., ab S. 17)

Unsere Haltung besteht aus Wertevorstellungen und Überzeugungen und sie bestimmt, wie wir andere Menschen und ihr Verhalten sowie uns selbst wahrnehmen. Das wiederum bestimmt unser Verhalten und wie wir mit Situationen aller Art umgehen. Die Grundsätze und Prinzipien bilden die Grundlage für die pädagogische Haltung im Sinne des BEP (siehe auch Grundsätze und Prinzipien im BEP-ABC). Diese Haltung ist geprägt von einem wertschätzenden und feinfühligen Blick auf das Kind und auf Menschen im Allgemeinen. Zudem ist es eine inklusive und demokratische Haltung. Für diese Haltung ist es wichtig, dass wir uns und unser Verhalten immer wieder reflektieren und einzeln sowie im Team oder Kollegium an unserer Haltung arbeiten. (BEP, S. 32)

Das individuelle Kind mit seinen Stärken und seinem eigenen Lern- und Entwicklungstempo steht im Mittelpunkt und nicht die Institution (Krippe, Kita, Schule etc.). Das bedeutet, dass sich die Institutionen an die Kinder anpassen müssen und nicht umgekehrt. Die Institution muss die Bildungs- und Erziehungsprozesse so gestalten, dass jedes einzelne Kind gezielt unterstützt werden kann und jedes einzelne Kind umfassende Chancen erhält, sich selbst und seine Kompetenzen entfalten zu können. (u.a. BEP, S. 12/34)

Dadurch, dass wir als Erwachsene mehr Erfahrungen haben, mehr wissen, größer und stärker sind, haben wir automatisch mehr Macht als Kinder. Diese Macht können wir positiv nutzen, indem wir feinfühlig mit den Kindern umgehen: Uns in Kinder hineinversetzen, ihre Bedürfnisse erkennen und verstehen, ihre Meinung und Sichtweisen ernst nehmen, sie ermutigen sowie bestärken und Bildungs- und Erziehungsprozesse so gestalten, dass sich die Kinder entfalten können. Hinzu kommt, dass wir eine Verantwortung für Kinder tragen und natürlich auch Entscheidungen für die Kinder treffen müssen, um sie zu schützen. Tun wir das auf Augenhöhe, lassen die Kinder mitbestimmen und beteiligen sie, können wir auch hier die Beziehung zu den Kindern wertschätzend gestalten.

Wenn wir den Wert eines anderen Menschen umfassend schätzen, begegnen wir diesem Menschen auf Augenhöhe. Wir erkennen seine Sichtweisen, Gefühle und Bedürfnisse an. Außerdem erkennen wir, dass unsere Unterschiedlichkeit etwas Wertvolles ist und wir alle voneinander und miteinander lernen. Auch wenn wir andere Meinungen oder Empfindungen haben, verurteilen wir nicht.